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Am Anfang: Templer und Dominikaner

Im Jahr 1225, das ist bereits 9 Jahre nach Gründung des Ordens 1216, werden Dominikaner in Augsburg urkundlich erwähnt. Sie bilden die vierte Niederlassung des Ordens im deutschsprachigen Raum nach Friesach (Kärnten), Köln und Straßburg. Die ersten Klostergebäude standen in der Nähe der heutigen Dominikanerkirche, jetzt „Römisches Museum“ der Stadt Augsburg. Einen ersten Aufschwung verdankten die Dominikaner ihren Nachbarn, den Tempelrittern, die ihre Niederlassung auf dem späteren Gelände der Dominikanerkirche hatten: Nach Auflösung des Templerordens durch das Konzil von Vienne 1312 wurden nämlich Besitz, Gebäude und auch die wertvolle Bibliothek den Dominikanern zugesprochen. Mit Hilfe dieser finanziellen Konsolidierung waren die Augsburger Predigerbrüder wohl nicht ganz bettelarm, allerdings geben die Chroniken über diese Zeit kaum Auskunft. Dass Augsburg aber auch schon vorher ein bedeutender Konvent war, zeigt die Tatsache, dass hier 1257 ein Provinzkapitel abgehalten wurde.
Im 14. Jahrhundert war sogar ein Dominikaner Bischof von Augsburg, Johannes Schadeland, der allerdings aus dem Kölner Konvent stammte.

 

Johannes Faber OP: Prior, Bauherr und kaiserlicher Rat

Nach knapp 250jähriger Pause beginnen die Urkunden wieder zu erzählen, und zwar vor allem über den Neubau der Dominikanerkirche. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Augsburger Ordensgeschichte jener Zeit war der damalige Prior, Johannes Faber. Er ist 1470 in Augsburg geboren und erwarb 1507 in Padua die theologische Doktorwürde. Von 1511 bis 1524 war er Generalvikar der oberdeutschen Konventualenkongregation, 1515 ernannte ihn Kaiser Maximilan I. zum kaiserlichen Rat und Hofprediger. Von 1517 bis 1521, den ersten Jahren der Auseinandersetzung mit Martin Luther und anderen Reformatoren, lieferte er zusammen mit Erasmus von Rotterdam wichtige theologische Beiträge, die sich um Verständigung und Ausgleich bemühen. Als Prior war er auch Bauherr der neuen Kirche St. Magdalena, die 1513-1515 entstanden ist.



St. Magdalena: ein Jubelablaß, zwei Schiffe und viele Stifter

Viel Phantasie und Verhandlunsgeschick legte Faber bei der Finanzierung dieses Bauprojektes an den Tag. Bei Papst Leo X. erwirkte er einen Jubelablass für die Bistümer Augsburg, Köln und Mainz, was einen Großteil der Baukosten eingebracht hat. Eine beträchtliche Summe war auch der Spendenbereitschaft der Augsburger Bürger zu verdanken. Daran erinnert heute noch eine steinerne Gedenktafel zwischen den beiden Hauptportalen, die Namen und Wappen der Stifter enthält.
Bemerkenswert ist die Zweischiffigkeit des Kirchenraumes mit einer schlanken Säulenreihe in der Mitte. Weitere zweischiffige gotische Kirchen gibt es nur wenige in Bayern und in Tirol, dort z.B. in der alten Fuggerstadt Schwaz. Der Name des Baumeisters ist nicht belegt, doch einige Indizien deuten auf Hans Engelberg hin. Von ihm stammt der Plan der etwa zeitgleich erbauten ebenfalls zweischiffigen Kirche des Dominikanerinnenklosters St. Katharina, welches seelsorgerlich Prior Faber unterstellt war.

Geschwisterlicher Exkurs: Gotik versus Renaissance oder: Sister‘Act

Die Dominikanerschwestern von St. Katharina standen um 1516 vor kniffligen und schier unlösbaren Fragen. Ihre neue Kirche war so gut wie fertig, es fehlten nur noch Decke und Dach. Sollte ihre Kirche nun ein gotisches Deckengewölbe bekommen, oder doch besser eine getäfelte Holzdecke, wie es dem damals modernen Baustil der beginnenden Renaissance entsprach? Zudem argumentierten die Vertreter der Moderne auch noch, daß die Holzdeckenlösung viel besser für die Akustik und überhaupt zuträglicher für die Gesundheit sei.
Um die Meinungsverschiedenheit zu beseitigen, griffen die Nonnen zu einer beherzten und unkonventionellen Lösung: Am Himmelfahrtstag verließen sie nachts um 2 Uhr ihre Klausurzellen und pilgerten zum Dominikanerkloster mit der neuerbauten Kirche, die ja erst vor kurzem fertiggestellt worden war und sich noch der gotischen Deckenkonstruktion bediente. Ziel der nächtlichen Exkursion sollte die Inspektion der Raumakustik der neuen Kirche sein. Die wenigen hundert Meter Weg zwischen den Klöstern wurde laut Chronik in einer geordneten Prozession zurückgelegt: angeführt von Bürgermeister Jeronimus Imhof und Weberzunftmeister Martin Engelberger folgten in Zweierreihen die 50-60 Dominikanerschwestern, wobei die älteren Schwestern, die nicht mehr gehfähig waren, in kleinen Wägelchen mitgeführt wurden. Der Chronist berichtet, dass die Menschen in Scharen auf der Strasse zusammenliefen, als die Schwestern zur akustischen Überprüfung des neuerrichteten gotischen Deckengewölbes das Chorgebet sangen. Das baugeschichtliche Endergebnis dieser nächtlichen Exkursion lässt sich heute noch in Form des gotischen Deckengewölbes der ehemaligen Katharinenkirche bewundern. Die bayerische Staatsgalerie zeigt dort heute Gemälde von schwäbischen Künstlern um 1500, wie z.B. Hans Holbein d.Ä., Lukas Cranach oder Hans Burgkmair.

Gegenwind: Reformatoren und innerkirchliche Gegner

Nur wenige Jahre später brachten die Auswirkungen der Reformation eine erste und ernste Ruhestörung in das frisch renovierte und erweiterte Kloster. Unter dem Druck der Bevölkerung musste Prior Faber 1524 die Stadt verlassen und konnte bis zu seinem Tod 1530 nicht mehr zurückkehren. Der Gegenwind verschärfte sich nochmals, als den Dominikanern 1534 ein Predigtverbot erteilt wurde und die Kirchen St. Magdalena und St. Katharina kurzerhand mit Eisenketten zugesperrt wurden. Im selben Jahr noch verließen die Predigerbrüder ihren Konvent, welcher vom Stadtrat beschlagnahmt worden war. Ein Großteil des Mobiliars und des wertvollen Archivs leistete durch Versteigerung noch einen Beitrag zur Sanierung der städtischen Finanzen. Erst der Augsburger Religionsfriede von 1555 brachte die Rückkehr der Dominikaner sowie des katholischen Klerus, der 1537 aus der Stadt gejagt worden war. Kaum hatten sich die Prediger in ihrem Konvent eingerichtet, den sie nach der Verbannungszeit wieder mühsam instand setzen mussten, wurde es von anderer Seite her ungemütlich: Diesmal waren es innerkirchliche Gegner, die 1574 aktiv die Vertreibung der Dominikaner zu erreichen versuchten. Vermutlich um an das neuhergerichte Kloster heranzukommen, bezeichneten sie die Dominikaner vor der päpstlichen Kurie als unnütz und überflüssig. Rom wiederum antwortete mit einem echt katholischen „sowohl als auch“, nämlich dass als Arbeiter im Weinberg des Herrn eben neben der etablierten Geistlichkeit auch die Predigerbrüder für die Seelsorge in der Stadt benötigt würden.

 

Wechselspiel: Blütezeit, Vertreibung, Barockisierung und Säkularisation

Nach Überwindung auch dieser Schwierigkeiten erlebten die Dominikaner eine etwa 70jährige Blütezeit. Zahlreiche Ordenstheologen gingen aus Augsburg hervor, bevor die Schweden im Dreißigjährigen Krieg dieser fruchtbaren Phase ein Ende bereiteten. 1632 besetzten Schweden und Franzosen die Stadt, die Dominikaner wurden erneut vertrieben, ihr Vermögen beschlagnahmt. Sie konnten bald darauf schon wieder zurückkehren, und es gelang ihnen relativ rasch, die wirtschaftlichen Angelegenheiten erneut zu ordnen. Der nächste Schlag folgte allerdings ebenfalls sehr bald: Im spanischen Erbfolgekrieg wurde Augsburg 1703 - 1704 Garnisionsstadt, was auch die Dominikaner in Form immenser Quartierskosten zu spüren bekamen. Dank der guten Zusammenarbeit mit den Bauern in der Umgebung meisterten sie auch diese Krise und galten bereits 1709 wieder als einer der wohlhabendsten Konvente der deutschen Ordensprovinz. Zu dieser Zeit bewohnten 38 Brüdern das Kloster.
Die folgenden Jahre brachten einige bauliche Veränderungen, wobei der Spätbarock in St. Magdalena erreichte, was der Renaissance in St. Katharina verwehrt geblieben ist: Das gotische Gewölbe verschwand unter Rundwölbungen mit reicher Stuckdekoration, welche die Brüder Feichtmaier aus Wessobrunn in den Jahren 1723-1724 schufen.
1807 brachte die Säkularisation schließlich das endgültige Ende für Kloster und Kirche St. Magdalena. In die Kirche, die von weiteren Kriegszerstörungen weitgehend verschont geblieben ist, zog 1966 das „Römische Museum“ ein.

Neuanfang im 20. Jahrhundert

Die Wiederbelebung des Ordens in Deutschland begann, ausgehend von Frankreich, im norddeutschen Raum bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Als sich so die alte Ordensprovinz „Teutonia“ stabilisiert hatte, begann man auch wieder mit der Gründung von Häusern im süddeutschen Raum.
Das Augsburger Domkapitel stand einem Wiedereinzug der Dominikaner zunächst skeptisch gegenüber, gewährte ihnen schließlich jedoch die Übernahme einer Pfarrei in einem der neu entstehenden Stadtviertel. So etablierte sich 1931 zunächst ein Konvent an St. Wolfgang im Spickel, bevor den Dominikanern 1932 auch die Seelsorge an der Wallfahrtskirche Heilig Kreuz übertragen wurde. Mit der Erhebung zum Konvent 1939, der Errichtung eines Klosterneubaus an Heilig Kreuz 1958 und der Aufgabe der Pfarrei St. Wolfgang im Jahr 2004 konzentriert sich die dominikanische Präsenz in Augsburg nunmehr ganz auf Kloster und Kirche Heilig Kreuz.